Morgentau am Spinnennetz im Gras - Entshitification von Trackern im Internet

Entshitification

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Den Begriff „Entshitification“ habe ich zum ersten Mal beim 39C3 gehört. Seitdem lässt er mich nicht mehr los. Die Welt da draußen wirkt auf mich immer lauter, hektischer, vollgestopfter mit Kram, den niemand wirklich braucht. Genau deshalb mag ich Entshitification: Dinge vom überflüssigen Ballast befreien und den Blick wieder freiräumen für das, was wirklich wichtig ist.

Dieses Prinzip habe ich bei der Runderneuerung meines Blogs angewandt – und dabei auch an dich als Leserin gedacht. Vielleicht ist dir beim neuerlichen Besuch meiner kleinen Webseite aufgefallen, dass du kein Cookie-Banner mehr siehst. Das darf ich, weil ich nur essenzielle Services und solche mit visuellem Content Blocker einsetze. Leider hat mein genutztes Plugin für die Bereitstellung des Banners plötzlich nicht mehr störungsfrei funktioniert, und ich musste umstellen. Das neue Plugin lässt ein bannerloses Ansurfen meiner Webseite nicht zu – es sei denn dein Browser ist entsprechend eingestellt.

Minimalistische essenzielle Services

Konkret gibt es vier essenzielle Services, die Cookies setzen. Zum einen merkt sich ein Cookie, ob du das Design hell oder dunkel haben möchtest. Es wird erst gesetzt, wenn du die Ansicht änderst. Dann gibt es ein Cookie für Kommentare, mit dem sich dein Browser auf Wunsch deine Angaben merkt – damit du nicht jedes Mal den Namen und die E-Mail-Adresse neu eingeben musst. Selbstverständlich musst du diese Bequemlichkeit nicht nutzen; dann wird auch kein Cookie gesetzt – du kannst aber trotzdem deine Meinung kundtun, und ich freue mich sehr darüber.

Zum anderen gibt es einen Zähler, der bei VG Wort den Nachweis erbringt, dass der Artikel tatsächlich eine Leserin hatte. Und schließlich gibt es ein Cookie, das speichert, welchen externen Content du freigeschaltet hast.

Du kannst die Seite problemlos nur mit den essentiellen Services nutzen, denn weitere Services werden mit Content-Blockern so lange gesperrt, bis du sie freischaltest.

Und du kannst deine Cookie-Einstellungen jederzeit kontrollieren oder ändern. Die dazugehörige Seite findest du natürlich auch im Menü als Unterpunkt.

Entshitification dank Content-Blocker

Die visuellen Content-Blocker funktionieren wie ein Türsteher für externe Dienste: Zunächst wird alles blockiert, was eine Einwilligung erfordert. Möchtest du zum Beispiel ein YouTube-Video in einem meiner Artikel ansehen, kannst du im Content Blocker einwilligen, damit diese Videos künftig immer geladen werden.

Ein Platzhalterbild zeigt die Schaltflächen zum Entsperren von YouTube-Inhalten auf einer Webseite für YoutubeContentBlcoker.
Screenshot eines Content-Blockers im Einsatz. Cookies werden hier erst nach dem Akzeptieren gesetzt.

Ich habe mich für diesen Weg entschieden, weil es hier nur sehr wenige Seiten mit externen Videos oder Ähnlichem gibt. Warum solltest du also schon beim ersten Besuch allerlei Dienste freischalten, die du vielleicht gar nicht brauchst?

Und mal ehrlich: Niemand setzt sich freiwillig mit einem Kaffee hin und liest Cookie-Romanzen. Diese Banner nerven mich – erst recht, wenn sie nicht klar benennen, welchen Dienst du gerade freischaltest, oder völlig unklar lassen, welche Einstellung nun aktiv oder deaktiviert ist.

Viel entscheidender für eine gelungene Entshitification ist jedoch, dass diese Webseite gar keinen Tracker mehr nutzt. Ja, ich habe Google Analytics rausgeworfen. Außerdem verhindert meine angepasste Content-Security-Policy, dass der Google-Ads-Doubleclick-Tracker aktiv wird – selbst wenn du YouTube als Service freischaltest. Externes Gedöns nur dort, wo es wirklich nötig ist. Selbst der leider notwendige Spamschutz durch WP Armour verarbeitet deine Daten DSGVO-konform – und trotzdem zuverlässig.

Und selbstverständlich wird die „Do Not Track“-Einstellung in deinem Browser ordnungsgemäß berücksichtigt. Mit dieser Einstellung – die ich grundsätzlich empfehle – wirst du kein Cookie-Banner sehen. Die Content-Blocker funktionieren trotzdem.

Barrierefreiheit

An einem weiteren Wochenende habe ich dann noch an den Farben gedreht – so lange, bis sie im hellen wie im dunklen Modus warm und freundlich wirken und dennoch ausreichend kontrastreich sind. Das ist wichtig, damit Menschen, die nicht mehr ganz Adlerauge sind, hier trotzdem entspannt lesen können.

Zur Sicherheit habe ich das Ganze mit inspectWP geprüft, und das Tool hat mir bestätigt, dass die Kontraste passen. Nebenbei: inspectWP bietet noch ein paar andere nützliche Checks an – kann das Tool wirklich empfehlen.

Natürlich ist mir klar, dass das nur ein Teil der Barrierefreiheit ist. In einem Blog voller Bilder wird es schnell knifflig, denn ALT-Texte können das Gefühl beim Betrachten eines Fotos nur selten vollständig wiedergeben. Trotzdem bemühe ich mich, diese künftig bewusster und besser zu nutzen.

Entshitification of my Blog

Im Laufe der Zeit hat sich hier im Blog einiges angesammelt. Der erste Snapshot der Seite auf der Wayback Machine stammt aus Mitte 2009 – da sammelt sich so manche digitale Patina. Also habe ich doppelt aufgeräumt. Viele Beiträge habe ich gelöscht: Niemand schaut sich ernsthaft noch die Bilder irgendeiner Niederlage vor einigen Jahren in den Niederungen der zweiten Liga des FC St. Pauli an. Einige Texte und Bilder sind dann aber vielleicht doch auch nach Jahren noch lesens- und ansehenswert. Diese habe ich unter den Braun-Weißen Highlights einsortiert und damit ein kleines Archiv der besseren Momente geschaffen. Du kannst dieses Archiv auch jederzeit über die wunderschöne URL niemand-siegt-am-millerntor.de aufrufen.

Auch die Datenbank habe ich kräftig entstaubt. Die Anzahl der Einträge konnte ich fast halbieren. Eine große Hilfe war mir dabei tatsächlich die KI. Durch die weite Verbreitung von WordPress konnte ich recht schnell mehr über bestimmte Tabellen oder Einträge in den Options herausfinden. Natürlich habe ich Löschungen erst vorgenommen, nachdem ich eine Datenbank-Sicherung angelegt hatte – radikale Entshitification, aber nicht lebensmüde.

Das Aufräumen, insbesondere bei den Autoload-Optionen, hat die Ladegeschwindigkeit spürbar verbessert – ganz ohne weitere Optimierungen oder mystische Performance-Tricks.

Zuletzt habe ich HSTS implementiert. Dadurch habe ich die Sicherheit für dich und mich erhöht: Dein Browser spricht jetzt nur noch verschlüsselt mit meinem Blog. Keine Ahnung, warum ich diesen Sicherheitsmechanismus nicht schon früher umgesetzt habe, aber besser spät als nie.

Das Ergebnis meiner Entshitification

Durch die Entshitification ist mein Blog schneller, übersichtlicher und sicherer geworden. Es gibt keine Besucher-Tracker mehr, und standardmäßig werden keine Daten außerhalb Europas gesendet.

Für einen bilderlastigen Blog ist es gar nicht so einfach, schnelle Ladezeiten zu erreichen. Ich setze hier nun konsequent auf WebP und AVIF als Bildformate. Das verringert die Dateigröße manchmal um bis zu 60 % – und die Seite fühlt sich deutlich leichter an.

Wenn du diese Webseite auf dem Desktop anschaust, findest du nun auch die Überschriften längerer Artikel als Sprungmarken zum jeweiligen Textbereich. Egal, mit welchem Endgerät du unterwegs bist: Du kannst jederzeit zwischen einem hellen oder einem dunklen Design wählen. Schreib mir gern, welche Variante dir besser gefällt – und ob dir die Entshitification meines kleinen Blogs aufgefallen ist.

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