Die meisten Fotografieinteressierten kennen die goldene Stunde und wissen, dass du da besonders schöne Fotos machen kannst. Die goldene Stunde bezeichnet die Stunde nach Sonnenuntergang (oder nach Sonnenaufgang, aber da haben die meisten von uns Besseres zu tun). In dieser Stunde ist das Sonnenlicht besonders lieblich gelb-golden und ermöglicht tolle Bilder. Zumindest in Mitteleuropa dauert es eine Stunde; in südlichen Gefilden versinkt die Sonne im Sommer deutlich schneller im Meer. Nach der goldenen Stunde hört die Fotografie aber längst nicht auf. Was du unbedingt mal probieren musst: den letzten Rest des Lichts am Himmel nutzen. Ich habe es letzte Woche gemacht.
Und das kam so: Ich hatte ein paar Stunden lang gerne genommenen Zwangsaufenthalt nach einem Auftrag auf Helgoland, da der Flieger wegen Vereisungsgefahr nicht aufs Festland fliegen konnte. Die passende Gelegenheit noch ’ne Runde zur langen Anna zu drehen. Tolle Idee, eigentlich, aber ich startete erst mit einsetzender Dämmerung. Am Lummenfelsen war die goldene Stunde schon rum. Die Treppen zum Strand habe ich so gerade noch im Restlicht gefunden, und kurz vor dem Sportplatz des VFL Fosite Helgoland stand ich in einer riesigen Pfütze, knöcheltief im dreckigen Wasser.
Das war mir aber alles egal, denn meine App zeigte mir, dass es noch wenige Minuten Licht am Firmament gibt. Ja, eigentlich siehst du auf der Insel nix mehr ohne Taschenlampe, denn es gibt ja kaum Straßenlaternen da draußen. Aber die Kamera kann noch was sehen. „Astronomische Dämmerung“ heißt die letzte Phase, in der die Sonne noch etwas für die Aufhellung am Himmel sorgt. Sie ist aber gegen Ende kaum noch mit dem menschlichen Auge wahrnehmbar. Daher auch die Zuhilfenahme der App. Die astronomische Dämmerung beginnt aktuell rund anderthalb Stunden nach Sonnenuntergang und dauert eine Dreiviertelstunde. Im Sommer dauert die astronomische Dämmerung sogar doppelt so lange. Genug Zeit also, um weiterhin in der Natur zu fotografieren.
Das obige Bild entstand genau in dieser astronomischen Dämmerung. Fünfzehn Minuten später war es tatsächlich Nacht.

Zur Einordnung, wie dunkel es war, hier die technischen Details: Blende 2.8, ISO 2000, 8 Sekunden Belichtungszeit.
Kalt, nass, dunkel – war mir egal. Der Fussballplatz ist einfach toll am Fuße der Klippen gelegen. Das leichte Grün des Rasens lässt den roten Felsen besonders schön zur Geltung kommen.
„Nach der goldenen Stunde hört die Fotografie aber längst nicht auf“ – genau, denn dann kommt die Blaue Stunde.
Genau. Und danach die astronomische Dämmerung.
Okay, doch keine Tonne 😉
…und nach der astronomischen Dämmerung??
Ist es Nacht. Wenn keine Sterne leuchten oder der Mond die Szenerie illuminiert, hast du kein Licht.
Großartig 🙂
Wirklich sehr chic!
okay, doch in farbe 😉
Mir fallen die Linien auf. Tor in Tor, die weiche Kante der Steilküste. Auf der rechten Seite der starre Flutlichtmast und der Wind in den Maschen des Tornetzes. Ein Bild wie ein Gedicht.
Danke für die schöne Bildbeschreibung.