Des einen Freud des anderen Leid

Des einen Freud, des anderen Leid

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Beim „Derby der Liebe“ erfuhr die Redewendung neuen Glanz: des einen Freud, des anderen Leid. Das umgekehrte Spitzenspiel des 23. Spieltags der Fußball-Bundesliga zwischen dem Tabellen-Siebzehnten vom Millerntor und den Tabellennachbarn aus Bremen bot lange eher Kampf als Spektakel – was bei der Ausgangslage auch nicht überraschte. Am Ende aber hatte der FC St. Pauli das bessere Ende für sich, nutzte seine Chancen einen Tick konsequenter, holte drei enorm wichtige Punkte im Abstiegskampf und tauschte mit dem Gast fröhlich die Tabellenplätze.

Wie groß dieses Quäntchen Glück war, zeigt ein Blick auf die xGOT-Werte beider Teams. xGOT (Expected Goals on Target) beschreibt vereinfacht, wie gefährlich ein Schuss war, nachdem er tatsächlich ins Tor gelangte – also nicht nur die Schussposition (wie xG), sondern auch die Platzierung und die Schussqualität – und gibt daraus die Torwahrscheinlichkeit dieses konkreten Abschlusses an. Die Werte von (laut FotMob) 0,43 zu 1,95 lassen das Endergebnis von 2:1 jedenfalls nicht unbedingt erwarten. Auch hier passt also: des einen Freud, des anderen Leid.

Beeindruckend und bewegend war zudem die gemeinsame Aktion der Fans zu Beginn der zweiten Halbzeit. So sehr der Anlass schmerzt, so stark ist das Zeichen, das von dieser Choreo ausgeht. Am 19.02.2020 starben neun Menschen durch einen rassistischen Anschlag; mehrere weitere wurden teils schwer verletzt; einer von ihnen, Ibrahim Akkuş, erlag im Januar 2026 den Spätfolgen seiner Verletzungen. Dass beide Fanlager gemeinsam an diese Menschen erinnern und gegen Rassismus Haltung zeigen, verleiht diesem Derby eine Bedeutung, die weit über die 90 Minuten hinausreicht.  Mehr zu dieser grausamen Tat kannst du auf Wikipedia lesen.

Der Anschluss im Tabellenkeller ist nach den drei Punkten für den FC St. Pauli geschafft. 12 weitere Spiele im Kampf um den Klassenerhalt sind noch zu überstehen. Ich hoffe, dass das Glück dem Team gewogen bleibt.

Nach dem Auswärtsspiel in Hoffenheim ist das nächste Heimspiel dann wieder an einem Sonntag. Als Gast kommt dann ausgerechnet Frankfurt. Ausgerechnet deswegen, weil es der internationale Frauentag ist und die Frankfurt Fans bei ihrem letzten Besuch am Millerntor nicht bewiesen haben, dass sie schon in diesem Jahrhundert angekommen sind.

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