Eigentlich bin ich kein Freund des Pferdesports, da ich häufig Pferdebesitzer als hochnäsig und arrogant kennengelernt habe. Das Schöne an meinem Job ist, dass Du immer wieder gezwungen bist, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die Deine bis dahin gemachten (negativen) Erfahrungen nicht spüren dürfen – sonst kannst Du das Fotografieren gleich vergessen. Also muss ich hin und wieder meine Vorurteile über Bord werfen, was regelmäßig zu neuen Erfahrungen führt. Meistens sind es dann eine der angenehmen Arten. So auch diesmal!
Polo ist ein faszinierender Sport. Welche Präzision im Wechselspiel zwischen Mensch und Tier, aber auch unter den Menschen, notwendig ist, um diesen Sport auf hohem Niveau durchzuführen, ist berauschend. Kleiner Ball, kurzer Bambusstock als Schlaginstrument, Pferde, die dribbeln können, blindes Verständnis und hoher Anspruch an die Athletik von Mensch und Pferd – das ist Polo.
Da ich davon ausgehe, dass die meisten meiner Leser noch keine Berührungspunkte mit dem Sport hatten, werde ich ausnahmsweise etwas mehr über den Sport an sich schreiben.
Die beiden Spiele, die ich fotografieren durfte, waren die Finalspiele beim Berenberg Polo Derby Mitte Juni 2009 in Hamburg. Das Derby war ein High-Goal-Turnier, was bedeutet, dass das Teamhandicap bei +10 liegt. Jeder Polospieler hat ein Handicap, das bei -2 beginnt und bei +10 endet. Ein Poloteam besteht aus 4 Spielern, und das addierte Handicap lag bei diesem Turnier bei +10, weshalb es ein High-Goal-Derby war. Der beste deutsche Polospieler, Thomas Winter, hat übrigens ein Handicap von +5.
Ein Polospiel besteht übrigens aus 4 Vierteln, sogenannten Chuckers, jeweils mit 7,5 Minuten reiner Spieldauer. Kein Pferd darf in zwei direkt aufeinanderfolgenden Chucker eingesetzt werden. Jeder Polospieler braucht also mindestens 2 Pferde. Diese sind in der Regel spezielle Züchtungen (mehr bei Wikipedia). Der Ball hat einen Durchmesser von nur 7 bis 8 Zentimetern und wird mit einem ca. 1,50 m langen Stock geschlagen. Ich habe beim Turnier einmal eine Situation erlebt, in der der Ballführende einen Schlag über 30, 40 Meter zielgenau auf einen Mitspieler passt, der den Ball in der Luft annimmt, noch zweimal mit dem Schläger hoch hält, um dann ein Tor zu erzielen. Wirklich zum Zungeschnalzen!
Nach jedem Tor werden übrigens die Seiten gewechselt. Das Spielfeld selbst ist 270 m x 180 m groß, und das Tor ist so breit wie ein Fußballtor, aber nicht nach oben begrenzt.
Genug vom Sportlichen, hier zu meinen Impressionen.