Ein St. Pauli-Fan mit überdimensionaler Regenbogenfahne taucht mitten auf der Mönckebergstraße plötzlich auf und lässt die Fahne in großen, kreisenden Schwüngen durch die Luft segeln, direkt dahinter der Truck mit dem Totenkopf in Regenbogenfarben. Dieser Moment gegen Ende des CSD-Umzugs bringt schon auf den Punkt, was für ein toller Tag das war: CSD mit dem FC St. Pauli-Truck mittendrin, anschließend noch ein überlanges Freundschaftsspiel im schönsten Stadion Hamburgs.
Zwischen Kaars-Traumtor und Sorge um St. John
Nach drei Stunden, die ich den CSD-Truck fotografisch begleitet hatte, ging es mit nur kurzer Bildbearbeitungspause weiter ins Stadion. Dort begrüßten sich die Fotografen besonders herzlich, denn man hatte sich lange nicht mehr gesehen. Die Fans auf den Rängen empfingen die Spieler euphorisch. Wen interessiert schon eine WM, wenn im Millerntor wieder richtiger Fußball gespielt wird? Dass die Probleme der letzten Saison nicht plötzlich verschwunden waren, wurde schnell deutlich – aber Unmutsäußerungen blieben aus, Freundschaftsspiele sollten nicht überbewertet werden.
Einen echten Höhepunkt lieferte Kaars, eigentlich wegen seiner Schnelligkeit verpflichtet, der nun unverhofft zeigte, dass er Bälle auch sehenswert ins Eck zirkeln kann. Neuzugang Branimir Hrgota wirkte schon wie eine echte Verstärkung, und auch Taichi Hara durfte endlich mal länger im Sturm sein Spiel machen. Nach den ersten 90 Minuten wechselte Neu-Trainer Rapp einen angeschlagenen Nemeth vorsorglich aus – hoffentlich nur Vorsicht. In den anschließenden „Verlängerung“ mit vielen Spielern, die sonst nur in der U23 ran dürfen, traf es dann Rawley St. John deutlich härter: er wurde nicht nur verletzt ausgewechselt, sondern erreichte die Kabine nur gestützt. Gute Besserung an beide.
Warum der CSD alles überstrahlt
Wichtiger als der Fußball war an diesem Samstag aber ohnehin der CSD. Bei allen Festen und Veranstaltungen, die es in Hamburg gibt, ist er mir am liebsten. Von mir aus können wir jeden Tag so leben, als wäre CSD. Die Fröhlichkeit, die Unbeschwertheit, die Offenheit und der Respekt sind an diesem Tag in Hamburg einfach am größten. Hier kann sich jede:r wohlfühlen. Im Glücksatlas-Ranking der Lebenszufriedenheit reicht es für Hamburg gerade mal für Platz 10 – würde nur am CSD-Wochenende gemessen, läge die Stadt konkurrenzlos vorn.
Danke für die schönen Photos!
Leider ist Dir auf dem letzten Bild eine falsche Zuordnung des Spielernamens unterlaufen, das Photo zeigt Erik Ahlstrand.
Oh, je – danke für den Hinweis auf meinen Faux Pas. Du hast natürlich völlig recht. Habe ich korrigiert.