Keep Your Mind Wide Open – die Ausstellung

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Im FC St. Pauli Museum sind Meisterschaften und Trophäen des Blindenfußballs ausgestellt, die Geschichte erzählen.


Der FC St. Pauli Blindenfussball ist eine der erfolgreichsten Abteilungen im braun-weißen Kosmos. Mit der Ausstellung im FC St. Pauli Museum „Keep Your Mind Wide Open“ wird dies nun gebührend gefeiert. Gestern Abend war die Vernissage mit geladenen Gästen und ich kann dir heute meine persönlichen Eindrücke der Ausstellung schildern.

Vom Tabellenletzten zum Seriensieger

Dabei sah das am Anfang mit dem Erfolg gar nicht so aus. Nachdem vor 18 Jahren die Blindenfussball Bundesliga mit dem FC St. Pauli als Gründungsmitglied gestartet war, belegte das Team in den ersten sechs Jahren des Bestehens ausschließlich letzte und vorletzte Tabellenplätze. Die konsequente Jugendarbeit trug dann aber bald Früchte. In der zehnten Saison gewann das Team zum ersten Mal die deutsche Meisterschaft. Es folgten drei weitere Meistertitel und fünf Vizemeisterschaften. Also noch mal zum nachrechnen: seit 2017 stand der FC St. Pauli immer auf Platz 1 oder 2 der Liga. Ein sensationeller Erfolg.

Diese Erfolgsgeschichte wäre ohne Katja und Michael Löffler, sowie Wolf Schmidt, wohl nicht denkbar gewesen. Dass hier drei Menschen unterschiedlicher Rollen gemeinsam den Erfolg tragen, passt zum Sport selbst: Alle Geschlechter spielen in einem Team, und Sehende und Blinde interagieren im Spiel auf vielfältige Weise. Die drei haben schon die Hörplatzreportagen bei den Spielen der ersten Herren im Millerntor initiiert und uns damit das legendäre AFM-Radio in die braun-weiße Wiege gelegt. Sie haben den Blindenfussball nach Hamburg geholt.

Auf genau dieses AFM-Radio kam gestern Abend auch Präsident Oke Göttlich zu sprechen. Er hat dort auch am Mikrofon gesessen und so seine Verbindung zum Blindenfussball aufgebaut.

Anfassen, Hören, Selbst-Erleben: Was die Ausstellung zeigt

Mit der Ausstellung auf der Sonderfläche betritt das FC St. Pauli Museum Neuland. So berichtete gestern Kuratorin Lisa Jenkel über neue taktile Elemente, wie den Handlauf oder die Taktiktafel für Sehbehinderte. Auch eine der vier Meisterschalen kann tatsächlich angefasst werden.

Sehende können mit speziellen Dunkelbrillen ihre Vorstellungskraft testen, indem sie einem Spielbericht nur mit Worten folgen. Und selbstverständlich kann auf einem kleinen Feld Blindenfussball mit Originalball gespielt werden. Schön, wer gestern Abend verfolgen konnte, wie Spieler Mo den Rasselball aus grob sechs Metern ins Minitor drosch.

Live erleben: Der 19. Master im September

Es gibt also viel zu sehen und zu erleben. Und wer danach diesen faszinierenden Sport mal live sehen möchte, der hat beim 19. Master am 26. und 27. September 2026 dazu die Gelegenheit. Bei diesem Einladungsturnier zeigen europäische Spitzenteams außerhalb des Ligaalltags, was den Sport ausmacht.

Für mich hat die Ausstellung auch einen persönlichen Bezug, denn ich darf ja nun das Team seit über einem Jahrzehnt mit meiner Fotoknipse begleiten. Das FC St. Pauli Museum hat sich aus meinem Fotofundus bedient und einige Bilder an die Wand gebracht. Das erfreut natürlich mein Fotografenherz, denn gedruckte Bilder sind immer was Schönes und in einem solchen Zusammenhang nochmal etwas Besonderes.

„Was machst du hier?“

Und damit ist dann auch die Frage von Michael Löffler beantwortet, die er mir sehr früh in meiner Zusammenarbeit mit den Blindenfussballern gestellt hat: „Was machst du hier? Wir haben von deiner Arbeit nichts, denn wir können sie nicht sehen.“ Diese Klarheit hat mich damals über meine Rolle nachdenken lassen und beschäftigt mich bis heute. Ich habe geantwortet, dass ich andere Menschen für diesen Sport begeistern möchte. Mit actionreichen Spielszenen und emotionalen Jubelbildern bemühe ich mich, Blindenfussball so zu zeigen, wie er ist. Michael mochte das leckere Gebäck meiner Liebsten, das sie mir mitgegeben hatte, trotzdem mehr als meine Fotos. Sein gutes Recht…

Ab heute bis zum 22. November 2026 ist die Ausstellung im Millerntor Stadion zu sehen. Aus meiner Sicht lohnt es sich, vorbeizuschauen – und etwas Zeit mitzubringen. Du kannst dich dann besser darauf einlassen und deine Wahrnehmung der Umgebung neu erleben. Ganz im Sinne des Titels: „Keep your mind wide open“.

Porträt von Stefan Groenveld

Wer schreibt hier?

Stefan Groenveld, Fotograf für Sport, Porträt und Events aus Hamburg. Meistens am Millerntor, manchmal analog, immer auf der Suche nach dem ungewöhnlichen Blickwinkel.

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