Jeder Mensch braucht einen Rückzugsort. Für mich ist das Helgoland. Schon nach dem ersten Besuch der Insel war ich ihr verfallen. Auf Helgoland kann ich mich entspannen. Sobald ich meinen ersten Fuß auf die Hochseeinsel setze, fällt sämtlicher Stress von mir ab. Warum das so ist, weiß ich auch nicht. Aber es wirkt. Zuverlässig.
Im Juni war ich zusammen mit meiner Liebsten ein verlängertes Wochenende auf Helgoland. Und schon die Anreise gestaltete sich filmreif. Wird doch der gebuchte Halunderjet keine 20 Stunden vor der Abfahrt in die Wartung versetzt. Ich bekam die SMS mitten im Fotojob im Millerntor und musste schnell umbuchen. Also Anfahrt mit der Bahn und der Fähre ab Cuxhaven. Kein Problem, würde im Satz vorher nicht „Bahn“ stehen. Fährt erst ab Harburg, fährt kurzfristig nicht ab Harburg, kommt in Cuxhaven zu spät an – völlige Hektik. Das einzig Gute war die Zugbegleiterin, die bei der Reederei anrief und bat erst eine Viertelstunde später abzulegen. Außerdem hat sie alle Taxen aus Cuxhaven zum Bahnhof gerufen. Hat super funktioniert – danke für den Service.
Die Anfahrt war also atemlos. Und kaum setzen wir unsere Füße auf Helgoland, setzt die Erholung ein. Einmal tief durchatmen und sich wohl fühlen. Bei dem tollen Wetter am Anreisetage doppelt leicht. Schnell im Hotel Rickmers Insulaner einchecken, Kameras auspacken und los geht’s. Die Insel ist klein, bietet aber deutlich mehr, als viele glauben.

Helgoland ist so beschaulich, dass die Polizei auf dem Tretroller unterwegs ist. Die wenigen Fahrzeuge haben Elektroantrieb. Der einzige überlieferte Einbruch endete mit der Festnahme im Hafen, als die Diebe die Insel wieder verlassen wollten. Aber natürlich hat das Inselleben auch Schattenseiten. Einige dringend benötigte neue Häuser für die Einwohner konnten nicht fertiggestellt werden, weil die Baumaterialien im Winter wegen der Witterung nicht angeliefert werden konnten.
Fotografieren auf Helgoland
Wenn ich auf Helgoland bin, interessieren mich besonders Tiere und Vögel. Eigentlich nicht mein bevorzugtes Fotomotiv. Aber auf Helgoland ist alles anders. Außerdem gibt es dort besonders viele schöne Vögel zu sehen. Natürlich ist die Insel vor allem als Brutplatz für Basstölpel bekannt. Über 1000 dieser Flugkünstler brüten mittlerweile an der Nordostküste der Insel. Das zieht auch viele Fotografen an. So leicht kommst du sonst nicht an diese Meeresvögel heran.
Da konnte ich sogar mit der analogen XPan und einem 45-mm-Objektiv Aufnahmen machen. Die hatte ich mit dem Rest der Ektar aus Äthiopien bestückt mitgenommen, aber die meisten Tiere waren dann doch 45 mm zu weit entfernt. Egal, die Anmutung ist trotzdem schön und irgendwie anders als die digitalen Bilder.
Helgoland hat aber noch viele weitere interessante Tiere zu bieten. Bei den meisten musst du allerdings genau hinschauen. Oder eine Frau, die solche Vögel an der Art des Laufens erkennt. Meine Liebste ist diesbezüglich einfach eine Wucht – ok, nicht nur diesbezüglich. Aber überzeuge dich selbst von den tollen Dingen, die sie mir zeigte.


Ein paar größere Tiere habe ich aber auch selbst entdeckt 🙂
Der Rundwanderweg auf der Hauptinsel ist übrigens seit einiger Zeit rollstuhlgerecht ausgebaut worden. An den entsprechenden Tafeln kannst du dich über die interessante Historie der Insel informieren. Was ich an Helgoland auch total mag, ist das Wetter: Wir hatten auch einen Tag mit Sturm und „Schauer“. So informierte die offizielle Wettertafel an der Landungsbrücke. Im Rest Deutschlands hätte es wohl „sintflutartige Regenfälle“ geheißen. Macht aber nichts, weil es kein schlechtes Wetter, sondern nur unvorbereitete Menschen gibt. Jedenfalls herrschte am nächsten Tag schon wieder Badewetter.


Ich hatte auf der Reise übrigens nur zwei Linsen mit: 35 und 300 mm. Das Dreihunderter war fast ein bisschen kurz und ich musste mir mit Konvertern helfen. Aber leider war das 500er aus derselben Serie nicht leihbar. Ich kann also feststellen, dass das 300-mm-Objektiv aus der PF-Serie von Nikon an der Z7 hervorragend funktioniert.

Mein lustigstes Bild vom Wochenende ist übrigens kein Vogel. Es können also nicht nur Giraffen aus Dachrinnen saufen. Ich finde, du solltest das wissen.

Ach ja – und dann habe ich die Gelegenheit auf Helgoland noch genutzt, um ein persönliches Highlight endlich mal selbst zu sehen. Auf dem Oberland gibt es nämlich das Hotel Felsen-Eck. Hier sind die Zimmer nach Fotografen benannt. Und siehe da: Zimmer 17 trägt meinen Namen 🙂

© Sabine Went-Groenveld
Nun gibt es also schon drei Hotelzimmer in Deutschland, die mit meinen Bildern ausgestattet sind. Vielleicht werde ich doch noch berühmt…
Wieder mal hatte ich bzw. wir eine wunderbare Zeit auf Helgoland. Leider war das lange Wochenende viel zu kurz und irgendwann war die Zeit zum Aufbruch wieder da. Zurück ging es dann total entspannt im frisch gewarteten Halunder-Jet. Bestückt mit leckerem Teekuchen aus der Inselbäckerei genossen wir die Überfahrt. Wir kommen auf jeden Fall wieder!

Ach ja: für Übernachtungen kann ich die Hotels und Apartments aus dem storytels Zusammenschluss empfehlen. Da war ich nun schon in verschiedenen Häusern und habe mich immer sehr wohl gefühlt.
Hallo Stefan,
bei Dir ist es Helgoland, bei mir SPO. Kaum am Strand, Wind, Wellen, alles vergessen.
Ich selber war noch nie auf Helgoland, daher vielen Dank für das Zeigen der schönen Bilder.
LG Bernhard
Sehr schön!
Nur ein Irrtum:
Helgoland ist keine Hochseeinsel, weder geologisch noch seerechtlich noch nach anderen Definitionen für Hochsee.
(Die Nordsee ist ein Randmee des Atlantik; Tiefsee beginnt erst nördlich des Kontinentalschelfs, also nödlich der Linie Shetlands – Alesund.
Bester Gruß
P.
Du hast natürlich recht, aber selbst auf Wikipedia steht, dass Helgoland oft so bezeichnet wird.